Die Kosten für Kindergarten-Plätze steigen
Dezember 6th, 2009 von
AGVoralb
Die Empörung bei den Eltern ist groß. Seit bekannt wurde, dass die Stadt die Gebühren für die Kindergärten erhöhen will, hagelt es Proteste. Umsonst – jetzt wurde die Mehrheit im Gemeinderat von der Erhöhung überzeugt. Der Ortschaftsrat Hochdorf hat die Erhöhung in seiner jüngsten Sitzung bereits abgelehnt. Auch die Stadträte waren skeptisch. Die SPD-Fraktion dachte sogar daran, den Vorschlag ihres Sozialbürgermeisters Ulrich von Kirchbach zu entschärfen. Doch dessen Experten gelang es in der nichtöffentlichen Sitzung des Hauptausschusses am Montag, die Mehrheit im Gemeinderat von der Erhöhung zu überzeugen. Der Gesamtelternbeirat hatte den Gemeinderat aufgefordert, in der Sitzung am nächsten Dienstag der geplanten Erhöhung der Elternbeiträge zum 1. Januar nicht zuzustimmen. Vor allem für Eltern, die ihren Nachwuchs in Ganztagskindergärten schicken, träfen die neuen Gebühren besonders hart (siehe Grafik). Das erschwere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die Elternvertreter fordern, darüber und über Einkommensgrenzen für ermäßige Beiträge neu zu verhandeln. Für fast alle wird’s teurer Das federführende Sozial- und Jugendamt hatte die Aufgabe, aus einer historisch gewachsenen bis wuchernden Beitragsstruktur ein einheitliches System zu formen. Diese Änderung allein hätte bedeutet, dass manche Eltern mehr, andere weniger bezahlen. Doch nach sechs Jahren sei eine allgemeine Erhöhung der Gebühren unabänderlich, sagt Abteilungsleiter Hans-Georg Thiele. Grund: steigende Personal- und Energiekosten. Deshalb werden Kindergartenplätze für fast alle 6400 Kinder teurer – in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Das erklärt Fachmann Thiele mit bisherigen Ungerechtigkeiten. Häufig nutzten Eltern längere Öffnungszeiten und bezahlten gleich viel wie jene, die ihre Kinder kürzer betreuen ließen. Bei Ganztagsangeboten orientiere sich die Zahl der beschäftigten Erzieherinnen an der zum Beispiel zehnstündigen Öffnungszeit – doch längst nicht alle Eltern nutzten das Angebot. Die Folge: zu hohe Personalkosten, die alle Eltern dieser Einrichtung tragen müssten. Woher der Widerstand? Nun also soll es Stundenschritte geben – jeder kostet 20 Euro im Monat. Die Zwischenstufen, zum Beispiel eine 6,5-Stunden-Betreuung, fallen weg. “Das sind die Problemfälle”, räumt Thiele ein. Denn bislang zahlten sie kulanterweise 94 Euro, nach der neuen Tabelle wären es 125 Euro. Er kennt auch einen besonders krassen Fall, in dem ein freier Kindergartenträger sogar nur 87 Euro verlangt. Dass viele Kindergärten bislang eher zu niedrige Beiträge erheben, ist einer der Gründe, warum die Erhöhung auf so viel Widerstand stößt: Die Familien müssen tiefer in die Tasche greifen, und die Träger werden ihre bisherige Gepflogenheit aufgeben. Denn die Elternbeiträge sollen 20 Prozent der Kosten decken. 63 Prozent schießen Stadt und Land zu. Die restlichen 17 Prozent sind Verhandlungssache zwischen Trägern und Rathaus. Derzeit übernehmen die freien und kirchlichen Träger zwischen 0 und 6 Prozent dieser Lücke. Mit der neuen Beitragsstruktur, so die Prognose, erreichen die Kindergärten ihr 20-Prozent-Einnahmesoll. Würde eine Einrichtung weniger verlangen, hat sie ein Finanzierungsproblem. Die Mehrheit im Gemeinderat für das neue Modell scheint sicher. Sogar die Grünen ließen von ihrem Vertagungsantrag ab, der eine öffentliche Informationsveranstaltung gefordert hätte. Einzig die Unabhängigen Listen lehnen das neue System ab. Sie wollen stufenweise die Beiträge abschaffen, “damit auch jene in den Kindergarten gehen können, die Förderung besonders nötig haben”, sagt Stadtrat Lothar Schuchmann. Bezahlt aus der Stadtkasse. [Quelle: BZ-Online]
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